

Die äußerst seltene Innenansicht einer mittelalterlichen Burganlage vermittelt einen unmittelbaren Einblick in den Alltag der Burg Schärding. Aus Anlass der Errettung eines Kindes aus der Familie des Bernhard von Seyboltsdorf, das in den Brunnen im Burghof gefallen war, entstand diese Votivtafel 1499. Der gekrönten Strahlenkranzmadonna am hohen Bergfried schrieb die im Burghof kniende Familie des Burgherren die Errettung ihres Kindes zu. Ulrich von Hutten schilderte am 25. Oktober 1518 sein Ritter- und Burgleben so: Die Burg selbst, ob sie auf dem Berg oder in der Ebene liegt, ist nicht als angenehmer Aufenthalt, sondern als Festung gebaut. Sie ist von Mauern und Gräben umgeben, innen ist sie eng und durch Stallungen für Vieh und Pferde zusammengedrängt. Daneben liegen dunkle Kammern, vollgepfropft mit Geschützen, Pech, Schwefel und sonstigem Zubehör für Waffen und Kriegsgerät. Überall stinkt es nach Schießpulver; und dann die Hunde und ihr Dreck, auch das – ich muss es schon sagen – ein lieblicher Duft!