Ausstellungsstücke im Fokus

Verteidigungswaffe und ihre Bemalung:
Ein wilder Mann

Verteidigungswaffe und ihre Bemalung: Ein wilder Mann

Böhmische Söldner wurden sowohl von Herzog Ludwig im Krieg gegen den Markgrafen Albrecht Achilles (1458-1462) als auch von Seiten der Pfälzer im Landshuter Erbfolgekrieg (1504) angeworben. Charakteristisch für die Ausrüstung der böhmischen Söldner, Trabanten genannt, ist die Setztartsche, die Pavese. In der Bildpropaganda zur Schlacht von Wenzensbach 1504 wird Hans Burgkmairs Flugblatt Die Böhmenschlacht zur Bildformel schlechthin: Die behaimische syt, die Pavesenwand mit den dicht an dicht dahinter gedrängten Trabanten, wird zur standardisierten Formel für derer Untergang in offener Feldschlacht. Überall im Einflussgebiet der böhmischen Söldner fand dieser Pavesentyp Verbreitung, gelegentlich, wie in Zwickau, wurde er gar kopiert. Auch die Setztartsche mit dem Wilden Mann, der einen Schild mit dem Wappen der Stadt Deggendorf trägt, gehört in einen derartigen Kontext. Das Motiv des vom Scheitel bis zur Sohle behaarten Wappenhalters zählt zu den beliebten Travestien des höfischen Lebens und fand Verwendung auf Wirkteppichen, Pferdeschabracken und Pavesen.

 
 
Rennzeug
Rossstirn Coburg
Gundelfingen Tartsche
Talhofer Ingolstadt
Harnischmuster Theuerdank

Setz-Tartsche
um 1450
München, Bayerisches Nationalmuseum, Inv.-Nr. W 284