Fr, 21.08.2009

Wochenendführungen durch die Ausstellung "Ritterwelten"

Publikumsführungen durch die Ausstellung „Ritterwelten“ am

Samstag, den 22.August 2009, 15 Uhr: Dr. Franz Niehoff
Sonntag, den 23. August 2009, 15 Uhr: Max Tewes M.A.

„Ritterwelten“ ist eine Ausstellung zum Lebensstil der Ritter sowie der Fürsten und Bürger, die sich um 1500 als Ritter verstehen. Das gilt zum einen auf dem Schlachtfeld im Krieg und zum anderen auf dem Turnierplatz. Für den ebenso teuren wie gefährlichen Sport der Turniere und Ritterspiele war ein großer finanzieller Einsatz erforderlich. „Ritterwelten im Spätmittelalter“ meint zugleich eine Glanzzeit der Ritter, in der sie sich in Verklärung, Romantik und Historismus auf ihr Herkommen besinnen, weil die Zukunft nicht mehr so gewiss ist. Die herausragenden Produktionszentren für die auf „Masz“ gehämmerten Eisenkleider, die Harnische für Feld und Repräsentation, sind damals in Süddeutschland in Augsburg, Innsbruck, Landshut und Nürnberg angesiedelt. Darüber hinaus präsentiert die Ausstellung der Museen der Stadt aber noch einen der ganz seltenen Kürisse des 15. Jahrhunderts aus Mailänder Werkstätten. Insgesamt sucht die Ausstellung „Ritterwelten“ die Typen der Turnierzeuge für die verschiedenartigen Sportarten zu Pferde vorzustellen und dabei Einblicke in die vielfältige Welt des All- und Festtags der Ritter zu vermitteln.

Gefahrvolle Ritterspiele gehörten damals zu jeder bedeutenden Hochzeit, aber auch zu Reichstagen oder anderen Veranstaltungen etwa in der Fasnachtszeit hinzu. Ferner lenkt die Schau die Aufmerksamkeit auf Urkunden und Bücher, auf Zeughaus-, Fecht- und Turnierbücher sowie auf Drucke und Zeichnungen zu Turnieren im 15. und 16. Jahrhundert. Auch die Heldenepik des „Theuerdank“ und das Lebensgefühl von Maximilian I. als dem „letzten Ritter“ und „Vater der Landsknechte“ kommt nicht zu kurz. Selbstverständlich gehört die Ausbildung eines Ritters, also beispielsweise der Umgang mit dem Schwert mit zum Konzept der Ausstellung. Die Erziehung der Fürsten bildet selbstverständlich schon vor dem „Hofmann“ des Baldassare Castiglione einen Dreh- und Angelpunkt für das Selbstverständnis der Fürsten, Grafen, Herren und Ritter. Werner Paravicini, der Nestor der Forschungen zu Höfen und Residenzen, verweist auf den Ritterspiegel des Johannes Rothe von ca. 1415, der folgende sieben „behendikeid“ aufzählt: „Zu einem vollkommenen Manne gehört, daß er gut reiten, schnell auf- und absitzen, gut traben, rennen und wenden kann und mit Verstand von der Erde etwas aufnehmen. Zum zweiten muß er schwimmen, im Wasser tauchen und sich vom Rücken auf den Bauch und vom Bauch auf den Rücken drehen können. Zum dritten muß er mit Armbrust, Büchse und Bogen schießen können: davon hat er bei Fürsten und Herzögen wohl Nutzen. Zum vierten muß er auf Leitern klettern können, wenn es nötig ist, wie etwa im Kriege, auch an Stangen und Seilen. Zum fünften muß er wohl turnieren können, streiten und stechen und recht und redlich tjostieren. Zum sechsten muß er zu Abwehr und Angriff ringen können, auch weit springen und mit der Linken ebenso gut fechten, wie mit der Rechten. Zum siebenten muß er bei Tisch aufwarten können, tanzen und hofieren, auch Schach zu spielen verstehen und alles was ihm zur Zierde gereicht.“ Ritterwelten im Spätmittelalter“ spiegeln sich in zahlreichen Aspekten, so dass jede Führung durch die Ausstellung in der Heiliggeistkirche immer wieder andere Akzente setzen kann.

Die Abbildung zeigt einen kolorierten Holzschnitt aus dem Theuerdank, der 1517 im Auftrag Kaiser Maximilian I. in Augsburg gedruckt wurde. Theuerdank, alias Maximilian I., bricht in der gezeigten Szene von Wien zur Brautfahrt nach Gent auf.

 

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